Christiane Sturm

Willkommen auf meinen drei Feldern!

25.08.2018

„Helena“ – lyrischer Monolog von Jannis Ritsos

Einführung zu „Helena“: Elena Palantza,
Lesung Helena: Christiane Sturm
Prolog und Epilog: Rudolf Selbach

Samstag, den 25. August 2018, 16.00 Uhr
Frauenmuseum Bonn
Im Krausfeld 10
53111 Bonn
Tel. 0228-691344
Eintritt  6€

Dauer: ca. 70 Minuten

Der Monolog alten trojanischen Helena, den der griechische Dichter Jannis Ritsos  unter der Diktatur verfasst hat (s.u.) und den zu lesen mich die Übersetzerin Elena Pallantza gefragt hat, ist unglaublich vielschichtig und faszinierend. Im Text wechseln immerzu die Erzählebenen: Diese Helena ist witzig, scharfzüngig, melancholisch, bitter, reich an surrealen Bildern und Fantasien, weise, glorios – nur eines nicht mehr: schön. Was mir nicht sofort deutlich war, ist, wie teilweise unscheinbar, versteckt, aber zuunterst allgegenwärtig ihre Angst vor dem Sterben ist, wie sie diese Angst konfrontiert, ihr zu entfliehen sucht und darüber hinaus gelangt.

Die Übersetzerin des Textes, Elena Pallantza, schreibt:
Die Gestalt der Helena hat seit der Antike zahllose Dichter und Künstler fasziniert: Die Frau, die den trojanischen Krieg auslöste und damit für Tod und Leid tausender Menschen verantwortlich war, bleibt ein Rätsel. Jannis Ristes schrieb den lyrischen Monolog, während er im Jahr 1972 unter Hausarrest stand. Seine Heldin, alt und hässlich, äußert sich zum Verlust ihrer Schönheit, zur Vergeblichkeit der ruhmvollen Vergangenheit, zur niederträchtigen, einsamen Gegenwart, aber auch zum Wert eines gewissen Widerstands (…)
Jannis Ritsos, aus dem Monolog:
„Ach ja, wie viele sinnlose Schlachten, Heldentaten, 
Ambitionen, Anmaßungen, Opfer, 
Niederlagen über Niederlagen, und weitere 
Schlachten, für Dinge, 
die schon längst von anderen – ohne uns – 
entschieden waren … Und dennoch – wer weiß – vielleicht dort, 
wo jemand ohne Hoffnung Widerstand leistet, 
vielleicht beginnt dort des Menschen Geschichte, 
wie man so sagt, und die Schönheit des Menschen, 
inmitten verrosteter Eisen und Knochen 
von Stieren und Pferden, 
inmitten von uralten Dreifüßen, 
auf denen noch etwas Lorbeer schwelt,
 und der Rauch steigt auf, zerrfasert im Abendlicht wie goldenes Vlies.“